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Bewegendes Zusammentreffen an der Gesamtschule am Forstgarten

Holocaust-Überlebende Eva Weyl spricht mit Enkelin von Lagerkommandant zu Neuntklässlern

Mit Beginn der Veranstaltung war allen Zuhörern der voll besetzten Aula der Gesamtschule am Forstgarten klar, dass hier gerade etwas Besonders passiert. Schülerinnen und Schüler im Jahrgang 9  und verschiedene interessierte Gäste hingen an den Lippen der beiden Frauen auf der Bühne, und folgten teils emotional den besonderen Biografien.

Eva Weyl ist schon ein lieb gewonnener Dauergast an der Gesamtschule am Forstgarten, sie berichtet dort jährlich von der Geschichte ihrer Familie. Die Schülerinnen erfahren zunächst von den heraufziehenden dunklen Wolken für Menschen jüdischen Glaubens nach der Machtergreifung, von immer eindeutigeren Bedrohungen und schließlich von der Flucht in die Niederlande und Deportation der Familie Weyl in das Durchgangslager Westerbork. Gebannt und betroffen erfahren sie vom Lagerleben aus den Augen des jungen Mädchens Eva Weyl, vom perfiden Plan des Lagerkommandanten Albert Gemmeker die dort untergebrachten Juden in Sicherheit und größtmöglicher Normalität zu wiegen, um so einen störungsfreien Abtransport in die Vernichtungslager im Osten zu realisieren. In der Person Albert Gemmekers lag nun auch viel von den besonderen Momenten des diesjährigen Vortrages begründet, denn Eva Weyl wurde von seiner Enkelin Anke Winter begleitet. Sie eröffnete den Zuhörern nun eine ganz andere Perspektive zu der Thematik, den der Nachkriegsjahrzehnte und der Bewältigung des Traumas von Angehörigen eines Täters. Sie berichtete sehr authentisch, wie sie sich als Mädchen und junge Frau die eigene Familiengeschichte erschlossen hat, hinter Tabus schauen konnte und für sich daraus abgeleitet hat, dass sich diese Verbrechen nicht wiederholen dürfen. Damit trifft sie genau die Botschaft von Eva Weyl: Kein Nachkriegsgeborener trägt Schuld am Holocaust, aber hat doch Verantwortung gegen Rassismus einzutreten. Anke Winter beendete ihren Beitrag so auch mit einem flammenden Apell für Toleranz und Mitmenschlichkeit.

Damit erreichten beide offensichtlich die Herzen des Publikums. Die folgende Fragerunde sprengte jedenfalls den geplanten Zeitrahmen deutlich. Aktuelle politische Fragestellungen wurden dabei genauso angesprochen, wie die Bitte um die Einordnung in einen weiteren historischen Kontext.  Auch die Gäste im Plenum griffen zum Mikrophon und kamen mit Schülerinnen und Schülern und Vortragenden ins Gespräch.

So endete dann ein Tag voller Begegnungen. Begegnungen verschiedener Generationen und Begegnungen mit Geschichte und Verantwortung.

Die Menschen der Gesamtschule am Forstgarten sind Anke Winter und Eva Weyl von Herzen dankbar für diese Gelegenheit.

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