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"Das finde ich sehr beeindruckend!"

Im Interview stellt Frau Dr. Wecker sich vor und bezieht Stellung zur aktuellen Situation und zukünftigen Herausforderungen der Gesamtschule Kleve:

Interviewer: Liebe Frau Dr. Wecker, zunächst einmal: Wie waren Ihre Ferien?

Fr. Wecker: Sehr erholsam. Wir haben eine längere Radtour unternommen, von Neumünster nach Kopenhagen. Das Wetter war genial und Kopenhagen ist einfach eine großartige Stadt mit einer netten Atmosphäre.

I: Das hört sich sehr schön an! Dann würden wir Sie bitten, sich doch einfach mal unseren LeserInnen vorzustellen.

RW: Gut, inzwischen bin ich 57 Jahre alt, denn ich hatte ja in den Ferien Geburtstag. Aufgewachsen bin ich in Süddeutschland, in Hohenlohe (Baden-Württemberg), einer ausgeprägten Weingegend auf einem Bauernhof in einer Großfamilie. Nach dem Abitur habe ich in Heidelberg Germanistik und Evangelische Theologie auf Lehramt studiert und nach dem Examen in Theologie promoviert. In dieser Zeit habe ich in Kassel bei Luise Schottroff, später in Bochum an feministisch-theologischen Forschungsprojekten gearbeitet.

I: Und wie hat Sie der Weg dann an den Niederrhein nach Kleve geführt?

RW: Meine Lebensgefährtin ist rheinische Pfarrerin und arbeitet seit 2002 in Goch. Von daher habe ich mein Referendariat in NRW absolviert, war hierfür an Gymnasien in Dortmund und Oberhausen. Im Anschluss habe ich an der Gesamtschule in Krefeld am Kaiserplatz gelehrt, um dann fast 10 Jahre an der Anne-Frank-Gesamtschule in Moers zu unterrichten. Dort habe ich mich in der Schulentwicklungsarbeit und als Beratungslehrerin in der gymnasialen Oberstufe engagiert, sodass es naheliegend war, auch in ein Schulleitungsamt zu gehen. Schon früh wurde ich in die Planungsgruppe für die neue Gesamtschule Kleve berufen. Vieles konnte ich so mitgestalten und ich war auch Mitglied in der Einstellungskommission für die ersten Kolleginnen und Kollegen.

I: Wie gefällt es Ihnen denn ganz allgemein hier am Niederrhein?

RW: Sehr gut. Zwar ist es für jemanden aus einer Weingegend sehr gewöhnungsbedürftig, wie flach es hier ist. Aber der Niederrheiner an sich ist ein sehr angenehmer Mensch und die Nähe zu den Niederlanden ist toll: Ich empfinde es außerdem als sehr anregend, dass wir so viele mit niederländischen Eltern und internationale Schülerinnen und Schüler haben, die den grenzüberschreitenden Charakter unserer Schule sichtbar machen. 

I: Welche drei Schlagwörter fallen Ihnen ein, wenn Sie an unsere Schule denken?

RW: Ich denke, dass das Leitbild unserer Schule auf drei Säulen aufgebaut ist. Zum einen ist das die Inklusion, zum anderen die ausgeprägte Berufsorientierung, die dritte Säule ist die Oberstufe. Uns ist es wichtig, dass möglichst viele unserer Schülerinnen und Schülern das Abitur erreichen.

Für die Gesamtschule Kleve ist es selbstverständlich, dass Kinder unterschiedlicher Begabung, mit und ohne Behinderung mit- und voneinander lernen. Das wird hier selbstverständlich gelebt. Die SonderpädagogInnen gehören mit ins Team, das prägte von Beginn an unsere Schule. Die Idee, Schule ganz anders zu gestalten, fasziniert mich: Kinder, die in einigen Bereichen stärker sind, sind dafür woanders schwächer. Stärkere sehen die Schwächen der anderen Schüler und unterstützen diese bei ihrem Lernprozess.

Zum Thema Berufsorientierung: Gerade hier in der Region werden in vielen Branchen dringend Arbeitskräfte benötigt. Deswegen haben wir eine Angebotsvielfalt in die Wege geleitet: Die differenzierte Berufsorientierung an unserer Schule sowie die naturwissenschaftliche Orientierung, die die Tradition der ehemaligen Ganztagsrealschule Hoffmannallee fortsetzt, bereiten unsere Schülerinnen und Schüler auf ihr späteres berufliches Leben vor. In Pädagogischen Angeboten lernen bereits Fünft- oder Sechstklässlern zum Beispiel Niederländisch, Hauswirtschaft oder Technik kennen. Hier leistet unsere Schule einen wichtigen Beitrag für die Stadt und Region Kleve.

Schließlich ist es uns ein Anliegen, jeden Schüler und jede Schülerin zum höchstmöglichen Abschluss zu führen. Das Abitur zu erlangen, soll kein Privileg sein für Jugendliche aus bildungsnahen Elternhäusern!

I: Wie erleben Sie denn die Zusammenarbeit mit den Eltern unserer Schülerschaft?

RW: Ich erlebe hier äußerst engagierte Eltern, das finde ich wirklich sehr beeindruckend! Das sind Leute, die Jahrzehnte für eine Gesamtschule am Ort gekämpft haben. Hier war der Elternwunsch nach sozialem Lernen sehr stark, auch und besonders bei den Eltern leistungsstarker Schülerinnen und Schüler: Dass ihre Kinder ihren sozialen Lernprozess auch in der Kooperation mit schwächeren Kindern weiterentwickeln. Am Prozess der Entwicklung des längeren gemeinsamen Lernens und der inneren Differenzierung sollen auch die Eltern partizipieren und sie tun dies bereits. Diese Partizipation ist enorm wichtig für unseren Schulprozess.

I: Was sind Ihrer Meinung nach derzeit die größten Herausforderungen für die Gesamtschule Kleve?

RW: Sicherlich ist es in diesem Jahr eine besonders große Herausforderung, die Oberstufe vorzubereiten. Wir haben zum Glück ein „Pfund“ mit dem wir wuchern können. Wir haben sehr viele, motivierte Lehrerinnen und Lehrer, die sich für die fachliche Entwicklung unserer Schule einsetzen und nebenbei noch tolle pädagogische Arbeit leisten. Die große Aufgabe ist es, diesen Lehrkräften die Möglichkeit für guten Unterricht zu geben und ihren Ideen Raum zu geben (im wörtlichen Sinne).

Die Inklusion, das Gestalten von forderndem und förderndem Lernen und das Eintreten für ein fach- und schülergerechtes Gebäude an der Eichenallee, sind drei wesentliche Dinge, die es gut zu verbinden gilt.

Als klar war, dass das Gebäude an der Eichenallee nicht wie geplant nächsten Sommer fertiggestellt sein wird, war die Enttäuschung auf allen Seiten groß.

Die Arbeiten an der Gestaltung des Gebäudes Eichenallee gewinnen aber zusehends Kontur. Bis es soweit ist, treten wir sehr engagiert dafür ein, dass wir auch am Interimsstandort Landwehr unsere Idee von Schule leben können. So werden beispielsweise alle Klassen dort mit digitalen Boards ausgestattet werden, die dann später mit in den Neubau umziehen.

Ich bin aber sehr froh, dass diese Schule eine so ausgesprochen engagierte Elternschaft hat, die besonders das Thema Bauen sehr aufmerksam verfolgt, in regelmäßigen Gesprächen mit der Stadt ist und die Finger in die Wunden legt.

Schule leiten ist an einer Teamschule schließlich auch kein Einzelkämpferjob und ich freue mich sehr, dass ich ein so hochkompetentes Schulleitungsteam an meiner Seite weiß und wir, wo Bedarf besteht, auch stets auf das Engagement von Kolleginnen und Kollegen bauen können.

I: Frau Dr. Wecker, danke für das Interview! (Ange/Shlr)

 

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