Inhalt

Lecker, aber fair!

Kirchenkreis Kleve weckt Bewusstsein gegen Ausbeutung von Kakaobauern

Lehrerin Frau Aengenheister betreute den Geschmackstest.
Lehrerin Frau Aengenheister betreute den Geschmackstest.

Schokolade schmeckt echt lecker. Ungefär zehn Kilogramm davon isst jeder Deutsche in nur einem Jahr. Doch über die schlimmen Arbeitsbedingungen, unter denen Bauern und ihre Kinder in Ländern Westafrikas, Lateinamerika und Asien Kakaobohnen anbauen und ernten müssen, sind sich nicht so viele Konsumenten bewusst. Genau das will der Kirchenkreis Kleve mit seiner Kampagne "Macht Schokolade fair!" ändern. Verschiedene Aktionen sollen die Verbraucher zum Nachdenken darüber anregen, dass auch sie etwas für die Kakaobauern tun können.

So war Stefan Schmelting, Sprecher des Kirchenkreises, unlängst auch an der Gesamtschule in Kleve zu Gast. Im Gepäck hatte er zwei sogenannte "Schokokoffer" des Gemeindedienstes Mission und Ökumene Niederrhein: Darin befanden sich vielschichtige und didaktisch gut aufbereitete Materialien für einen insgesamt 18 Stationen umfassenden Lernparcours rund um das Thema faire Schokolade. Dabei erweiterten alle Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 6 ihr Wissen über die Kakaobohne, die Lebensumstände von Kakaobauern oder Programme zum fairen Handel spielerisch und ganzheitlich. So galt es etwa, sich im Fair-Trade-Memory zu üben, die Weltmarktpreise für Kakao aus Darstellungen zu entnehmen oder Bildern den richtigen Erklärungen zuzuordnen.

Besonders hoch im Kurs stand natürlich der Geschmackstest. Dabei verbanden sich die Kinder die Augen und kosteten dann von ganz unterschiedlichen Schokoladensorten, vom Discounterprodukt bis hin zur Fair-Trade-Edelausgabe.Dabei erfuhren die Sechstklässler auch, wie sie fair gehandelte Schokolade im Laden erkennen können und dass sie dafür nicht immer gleich sehr viel mehr Geld ausgeben müssen. "Ich habe mir vor diesem Parcours eigentlich noch nie so richtig viele Gedanken darüber gemacht, wo Schokolade eigentlich herkommt und wie sie hergestellt wird", so Schülerin Dorina, "ich bin ziemlich erschüttert davon, dass auch so viele Kinder für unsere Schokolade richtig ausgebeutet werden." Das hatte auch Stefan Schmelting zu Beginn der Aktion deutlich gemacht: "Es sind Kinder wie ihr, die in den Anbauländern auf die Plantagen geschickt werden“, sagte er, "sie sind billige Arbeitskräfte, oft können sie nicht zur Schule gehen und führen ein sehr trauriges  Leben." Grund für die nicht akzeptablen Arbeitsbedingungen seien auch Preistreiberei  entlang der Produktionsketten sowie Kunden in Deutschland, die am liebsten billig einkauften.

Entsprechend erstaunt waren die Jungen und Mädchen auch, als sie an einer Station herausfanden, dass Kakao- und Schokoladenunternehmen von einer Tafel Schokolade rund 70 Prozent einnehmen, die Bauern aber nur 6 Prozent. "Die Kinder, die in den Plantagen arbeiten müssen, haben selbst oft noch nie eine Tafel Schokolade probieren können", schüttelte Alex angesichts dieser Erkenntnis den Kopf, "aber bei uns hier gibt es sie überall und dann auch noch richtig billig." So nahmen sich einige der Sechstklässler nach diesem lehrreichen Vormittag tatsächlich vor, beim nächsten Einkauf im Supermarkt genauer darauf zu achten, ob ihre Schokolade nicht nur lecker, sondern auch fair gehandelt ist.

Zurück