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Roosje Glaser - Eine (Über-)Lebensgeschichte

Es war pandemiebedingt ein ungewöhnlich kleiner Rahmen, in dem die Gedenkveranstaltung der Stadt Kleve am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz an der Gesamtschule am Forstgarten stattfand.

„Eine Absage kam bei der Relevanz des Themas nicht in Frage. So haben wir uns in enger Abstimmung mit dem Bürgermeister auf ein verantwortbares Format geeinigt.“, so Schulleiterin Dr. Rose Wecker. Bürgermeister Gebing hatte eine Veranstaltung von wenigen Schüler*innen für Schüler*innen vorgeschlagen, die er als 1. Bürger der Stadt Kleve stellvertretend für weitere Gäste besuchte.

Des Weiteren konnte Dr. Rose Wecker in ihrer Eröffnungsansprache zwei Ehrengäste begrüßen. Paul Glaser, der Neffe von Roosje Glaser und Autor eines Buches über seine Tante, reiste an, um die Ausstellung zu eröffnen. Außerdem war Eva Weyl auf besondere Einladung der Projektgruppe „Roosje Glaser“ erschienen. Sie hatte dienstags zuvor den Neuntklässler*innen der Schule ihre eigene Überlebensgeschichte erzählt.

Nach der Schulleiterin hielt Bürgermeister Wolfgang Gebing eine energische Ansprache, und bezog klar Position gegen jede Verharmlosung des Holocausts durch falsche Vergleiche in aktuellen gesellschaftlichen Debatten.

Stellvertretend für die Arbeitsgemeinschaft „Erinnern“ der Schule führte dann der Didaktische Leiter, Stefan Püplichuisen, in die Ausstellungsthematik ein, indem er anhand des Stückes „Struikelstenen“ (Stolpersteine) des niederländischen Komponisten Tom Löwenthal, eine Brücke von der Stolpersteinverlegung am Vortag zur Überlebensgeschichte von Roosje Glaser schlug. Roosje Glaser, die in Kleve aufwuchs, wurde einer breiteren Öffentlichkeit als „Tänzerin von Auschwitz“ bekannt. Die Ausstellung, die von Projektgruppen im Jahrgang 9 erarbeitet wurde, beschreibt an acht großformatigen und multimedialen Stationen ihre ganze beeindruckende Lebensgeschichte. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf ihrer Kindheit in Kleve, zu der die Schüler*innen im Stadtarchiv recherchierten. Im folgenden Bühnenprogramm erzählte dann Roosje, mit den Mitteln des Schattentheaters und originalen Zitaten aus ihren Lebenserinnerungen. Zentral waren dabei die Themen: Roosje - deine Lebenslust, Roosje – deine Männer, Roosje – deine Entscheidungen. Der Leistungskurs Geschichte der gymnasialen Oberstufe stellte dazu Fragen, die Roosjes teils auch irritierenden Gedanken und Entscheidungen in jungen Menschen von heute auslösen. Letztlich führt das Hineinversetzten in Opfer- und Täterperspektiven unweigerlich zu der konfrontativen Frage: Wie hätte ich selbst mich verhalten?

Im Anschluss ergriff Paul Glaser das Wort: „Ich kenne die Geschichte von Roosje natürlich sehr gut, aber so habe ich sie noch nie gehört. Ich bin sehr gerührt.“ Er beschrieb anhand eines Gedichtes seiner Tante über Kleve, ihre lebenslange Liebe für ihre Jungendstadt. Dann zeigte er den Schüler*innen ein Stück Stacheldraht aus Auschwitz, das Roosje bis an ihr Lebensende im Jahr 2000 in ihrer Wohnung an eine Wand gehängt hatte. „Sie wollte ihre Zukunft auf ihrer Vergangenheit aufbauen. Sie hat sich immer konfrontiert.“  Eva Weyl appellierte im Anschluss, das Erinnern wach zu halten, auch wenn es mal keine Zeitzeugen mehr geben werde. Sie warb in dem Zusammenhang ausdrücklich für ein Haus der Begegnung am Synagogenplatz in Kleve. Die Ausstellung über Roosje Glaser würde sie gerne dort sehen.

Information: Die Ausstellung verbleibt zunächst am Standort Eichenallee der Gesamtschule am Forstgarten. Die Ausstellung soll aber auch gerne an weiteren Orten in Kleve zu sehen sein. Interessierte Bürger können sich bei stefan.pueplichuisen@ge.kleve.de  über Besuchsmöglichkeiten informieren und weitere Ausstellungsorte anbieten.

 

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